Führung von Lernenden

Führungsstile und deren Wirkung

Auch wenn Führungsverhalten sehr facettenreich ist, können doch drei recht grundsätzliche Dimensionen unterschieden werden:

in Anlehnung an von Rosenstiel (2009)
Dimensionen der Führungsverhalten
1. Mitarbeitendenorientierung 2. Aufgabenorientierung 3. Beteiligungsorientierung
Berufsbildner/innen nehmen ihre Lernende in ihrer Ganzheit als Menschen wahr, mit Wünschen und Bedürfnissen, auf die eingegangen wird Berufsbildner/innen sind v.a. damit beschäftigt mit ihren Lernenden Aufgaben zu definieren und die gesetzten Ziele zu erreichen Berufsbildner/innen wollen Lernende mitreden lassen und ihre Meinung in Entscheidungen einbringen lassen
Verhaltensweisen: Beraten, helfen, unterstützen, zuhören Verhaltensweisen: Ziele klären, Aufgaben erläutern, zu Leistung anspornen, Zielerreichung kontrollieren Verhaltensweisen: in Entscheidungen einbeziehen, mitreden lassen, Verbesserungswünsche anhören, einbeziehen und wenn möglich akzeptieren
Zweck: eine gute Beziehung zu den Lernenden pflegen, Wohlbefinden erhöhen Zweck: Leistung verbessern, Ziele erreichen Zweck: Das Können der Lernenden optimal koordinieren und nutzen
Wirkung: erhöht Arbeitszufriedenheit, verbessert Klima, intensiviert Zusammenarbeit; vermindert Fehlzeiten und Fluktuation; manchmal positive Effekte auf Leistung  Wirkung: trägt massgeblich zur Erreichung der Leistungsziele bei (falls nicht zu extrem) Wirkung: Erhöht Identifikation mit der Aufgabe, verringert Widerstand, fördert Selbstständigkeit; belastet schlecht Ausgebildete, Unselbständige, Unsichere
Grenze: Einfluss auf private Probleme ist begrenzt Grenzen: Wenn die Beziehung nicht stimmt, ist es schwierig Ziele durchzusetzen Grenzen: Wirkt nachteilig bei (noch) geringer Selbstständigkeit, bei unsicheren Lernenden, bei wenig Erfahrung

Diese drei grundsätzlichen Orientierungen können in ganz unterschiedlichen «Mischungen» vorkommen, je nach Mischung ergeben sich unterschiedliche Führungsstile. In nachfolgender Tabelle finden Sie Beispiele für Stile mit Vor- und Nachteilen:

Laissez-faire alle drei Dimensionen gering ausgeprägt, man lässt die Lernenden «machen»
  • wenig wertschätzend
  • trägt wenig zur fachlichen und persönlichen Entwicklung der Lernenden bei
Partizipativ starker Fokus auf Beteiligung, Einbezug der Lernenden
  • benötigt erfahrene und kompetente Lernende
  • trägt zur Entwicklung der Lernenden bei
  • Risiko der Überforderung, wenn Lernende nicht bereit dazu sind
Autoritär vor allem aufgabenorientierte Führung, was ist zu tun, was sind die Ziele?
  • Hilfreich, wenn damit der Rahmen abgesteckt werden soll, aber dosiert einsetzen
  • Berücksichtigt die Beziehung zu wenig
Kumpelhaft vor allem mitarbeitendenorientierte Führung
  • In Ansätzen hilfreich, eine Frage des Masses, dosiert einsetzen
  • Risiko, wenn kritische Ausbildungsphasen zu bewältigen sind
  • Rolle als Führungskraft wird «unklar»
Kooperativ hohe Ausprägung aller Dimensionen, Anwendung situativ. Berufsbildende können ihr Verhalten variieren
  • Bei angemessener Dosierung der drei Dimensionen viel Potenzial
  • Wahl der Ausprägung abhängig von  (1) der aktuellen Führungssituation, (2) der Besonderheiten der Aufgabenstellung und (3) der Eigenheiten der Lernenden
  • Ausbildner/innen sollten in diesem Sinne alle drei Orientierungen kennen und im «Repertoire» haben

Die Wahl des «richtigen» Führungsstils ist abhängig von situativen Bedingungen. In untenstehender Tabelle sind relevante Bedingungen dargestellt:

Art der Aufgabe
  • Höhe der Anforderungen?
  • Ausmass der Komplexität?
  • Dringlichkeit?
  • Risiko bei Misserfolg?
  • Anzahl Beteiligte bei der Aufgabenerledigung
Situation
  • Rahmenbedingungen, welche Vorgaben bestehen?
  • Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen?
  • Auslastung, bei hoher Auslastung besteht z.B. manchmal nicht die Zeit für Diskussionen
Merkmale der Berufsbildner/in
  • Gewohnheit, welche Art der „Führung“ bin ich gewohnt?
  • Vorlieben, was mag ich?
  • Absicht, welche verfolge ich?
  • Erfahrungen mit verschiedenen Stilen?
  • Flexibilität, wie flexibel bin ich in meinem Führungsverhalten?
Mekrmale der Lernenden
  • Leistungsfähigkeit, -bereitschaft, -möglichkeiten?
  • Erfahrung?
  • Kompetenz?
  • Allgemein: Motive?

Betrachtet man die Frage des Führungsverhaltens noch einmal zusammenfassend mit Perspektive Gesundheitsförderung und für das besondere Verhältnis von Berufsbildner/in und Lernenden, lassen sich folgende drei Aspekte mit besonderer Relevanz hervorheben:

  1. Führung sollte entwicklungsorientiert erfolgen: Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten sind hier besonders hervorzuheben (vgl. Aufgabengestaltung)
  2. Führung sollte unterstützungsorientiert erfolgen: Kontinuierliches Feedback gehört z.B. hier ebenso dazu wie die Wertschätzung von Erfolgen und Lernfortschritten.
  3. Führung sollte belastungsoptimierend erfolgen: Dabei geht es um qualitative und/oder quantitative Überforderung ebenso wie um Merkmale der Unterforderung (vgl. Bedeutung der Aufgaben für die Entwicklung der Jugendlichen und Belastende Aspekte von Arbeitsaufgaben)
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