Aufgaben & Stress

Stress

Von Stress sprechen wir wenn die Anforderungen und die Handlungsmöglichkeiten der Jugendlichen aus dem Gleichgewicht geraten.

  • Meine Handlungsmöglichkeiten (tatsächlich oder nach meiner Überzeugung)
  • Anforderungen, die sich an mich stellen

Allerdings sollte nur dann von Stress gesprochen werden, wenn sich dieses Ungleichgewicht unangenehm anfühlt, verbunden mit körperlichen und psychischen Zeichen des Unwohlseins.

Bei Stress handelt es sich um einen Prozess, nicht um einen «statischen» Zustand. Zunächst sind wir (1) einer «stressigen» Situation ausgesetzt. Diese Situation (2) bewerten wir danach ob sie für uns bedrohlich ist, darauf folgt meist ein Versuch der Bewältigung. Die Möglichkeiten zum Umgang mit der stressigen Situation werden geprägt (3) durch die Ressourcen, die uns zur Bewältigung der Situation zur Verfügung stehen. Schliesslich kann es zu (4) körperlichen, psychischen und verhaltensbezogenen Reaktionen auf die stressige Situation kommen, vgl. dazu untenstehende Abbildung:

ressourcen stress

Typische stressauslösende Bedingungen bzw. Belastungen/Stressoren sind z.B.:

Aufgabe
Zu eintönig, zu schwierig, gefährlich, emotional belastend («Emotionsarbeit»)
Arbeitsorganisation
Überlastung, alles bis ins Detail vorgeschrieben bekommen, mangelhafte Arbeitsmittel, unklare Anweisungen, unklare Bewertungskriterien, ineffiziente Abläufe, häufige ungeplante Unterbrechungen, fehlende oder falsche Informationen
Soziale Bedingungen    

Belastendes Verhalten von Vorgesetzten, grosse Abhängigkeit, Unfairness, fehlende Anerkennung, fehlender Respekt, schlechtes Klima, Konflikte, Mobbing
Organisationale Bedingungen
Informationspolitik , Lohnpolitik, Arbeitszeiten
Belohnungskrisen (Ungleichgewicht: «ich gebe mehr als ich bekomme», Anerkennung, Status, Lohn)
Unsichere berufliche Zukunft
Physische Bedingungen: Lärm, Hitze, Kälte, Erschütterungen, Enge, Nachtarbeit

Stress muss nicht zwingend zu negativen Folgen führen. Das Risiko für gesundheitliche Beschwerden wird allerdings deutlich höher,

  1. wenn der Stress zu lange andauert,
  2. wenn das „stressige“ Ereignis besonders gravierend ist
  3. wenn Versuche mit Stress umzugehen fehlgeschlagen sind,
  4. wenn der Stress in andere Lebensbereiche „überschwappt“
  5. bzw. ganz allgemein wenn die nötigen Ressourcen zum Umgang mit Stress fehlen.

Ressourcen helfen dabei, mit Stress umgehen zu können. Folgende wichtigen situativen (organisationalen, sozialen) und personenbezogenen Ressourcen lassen sich unterscheiden.

organisational
  • Autonomie, Handlungsspielräume (z.B. wie ich arbeite, meine Zeit einteile, was ich wann und wie mache)
  • Information, Mitsprache, Beteiligung
  • Einbezug bei Entscheidungen (z.B. bei Fragen die mein tägliches Arbeiten betreffen)
sozial

  • Soziale Unterstützung (z.B. zuhören, praktische Hilfe, sich auf Kollegen verlassen können)
  • Wertschätzung, Anerkennung
  • Fairness (gerecht behandelt werden, adäquate Gegenleistungen für Einsatz, Engagement)
personal
  • persönliche Kontrollüberzeugungen («ich steuere die Situation»)
  • eigene Kompetenzen, eigenes Wissen («ich kann das, habe die nötige Erfahrung»)
  • Selbstwert und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen («ich kann die von mir gewünschten Wirkungen erzeugen»)
  • Kohärenzerleben («ich verstehe die an mich gestellten Anforderungen, ich kann sie handhaben, sie ergeben einen Sinn für mich»)
  • Soziale Kompetenz («ich kann meine Bedürfnisse befriedigen und gleichzeitig Rücksicht auf andere nehmen»)
  • Körperliche Gesundheit, Fitness

Die vier «Kästchen» in der Abbildung zum Stressprozess stellen zusammenfassend gleichzeitig vier Hebel zum Umgang mit Stress dar. Als Berufsbildner/in können sie damit folgende Strategien im Umgang mit Stress von Lernenden verfolgen:

  1. Abbau bzw. Optimierung von Stressoren bzw. Belastungen
  2. Identifikation und verstärkte Nutzung bestehender Ressourcen bzw. Aufbau neuer Ressourcen
  3. Optimierung bzw. Anpassung der Bewertung/Bewältigung von Stresssituationen (die müssen sie natürlich mit den Lernenden besprechen)
  4. Umgang mit Stressreaktionen, z.B. durch geeignete Erholungsaktivitäten

Betrachtet man konkrete Massnahmen, können zwei Perspektiven unterschieden werden: «Verhaltensprävention» setzt bei den Haltungen und Verhaltensweisen einzelner Personen bzw. hier Lernenden an, „Verhältnisprävention“ versucht über die Schaffung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen Stress entgegen zu wirken:

Verhaltenprävention: Bei der Person ansetzen
  • «Stressmanagement» an sich: Wie Stress entsteht, stressauslösende Faktoren, Ressourcen, Umgang mit Stress
  • Erholungstrainings und ähnliche Massnahmen wie Meditation, Yoga
  • Sport, allgemein Massnahmen des Ausgleichs und der Erholung
  • Konfliktmanagement
  • Zeitmanagement / Arbeitsmethodik / Selbstmanagement
  • ...
Verhältnisprävention: Bei den Bedingungen ansetzen
  • Stresssymptome analysieren: Krankenstand, Fehlerhäufigkeit, Zufriedenheit und Befinden der Auszubildenden
  • Analyse der Arbeitssituation und der Arbeitsbedingungen: Identifikation häufiger Probleme, Belastungen und Ressourcenpotenziale, z.B. mittels Interviews, Befragungen, Tätigkeitsbeobachtungen
  • Massnahmenerarbeitung: Kurz-, mittel-, langfristige Massnahmen, Priorisieren, unter Einbezug der Vorgesetzten und ggf. der Geschäftsleitung
  • Soziale Unterstützung stärken: Führungsverhalten optimieren; Kultur der Wertschätzung und gegenseitigen Unterstützung fördern, Gesundheit und Stress als Thema zulassen
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